Kink-Boom - woher er kommt
Die Kink-Kultur ist heute sichtbarer, lauter und modischer denn je. Früher versteckt in dunklen Kellern, heute Mode-Stil, sexuelle Alternative und geiles Addon für jedermann. Was steckt hinter diesem Trend, der...
Die Kink-Kultur ist heute sichtbarer, lauter und modischer denn je. Früher versteckt in dunklen Kellern, heute Mode-Stil, sexuelle Alternative und geiles Addon für jedermann. Was steckt hinter diesem Trend, der...
Die Kink-Kultur ist heute sichtbarer, lauter und modischer denn je. Früher versteckt in dunklen Kellern, heute Mode-Stil, sexuelle Alternative und geiles Addon für jedermann. Was steckt hinter diesem Trend, der vor allem seit 2020 so richtig Fahrt aufgenommen hat - ist es eine echte sexuelle Revolution, oder tragen wir einfach mittlerweile nur gern Latex und Halsband? Was von Corona übrig blieb...
Willkommen in der Spätmoderne des Begehrens
Wenn wir heute von „Kink“ sprechen, meinen viele mehr als nur BDSM. „Kink“ ist ein Container-Begriff, der alles umfasst, was jenseits der normativen Sexualität stattfindet: Rollenspiele, Polyamorie, Fetisch-Mode, Machtdynamiken, Popklopfen. Zudem gibt es eine Reihe von neuen Fetischparty-Formaten, die zwar eher an Swinger-Clubs erinnern, aber sei's drum - jeder, wie er mag, alles gut. Feiert euch!

Das Phänomen Kink-Boom kann jeder beobachten. Während die Ästhetik in der Pop-Kultur schier explodiert ist, habe ich mich gefragt, ob sich im privaten Schlafzimmer wirklich etwas verändert hat? Ist das Bett inzwischen eher der Küchentisch? Die Datenlage ist dünn, es gibt bisher praktisch keine seriösen Studien, die grundlegend untersucht hätten, was abgeht, bzw. was nicht. Aber es gibt begründete, plausible Vermutungen aus Soziologie und Psychologie.
Pandemie-Phänomen - Kontrolle, Kontrollverlust und Lust
Um den Boom zu verstehen, müssen wir auf die Corona-Zeit blicken. Die Pandemie hob unsere Welt aus den Angeln: Lock-Downs, Kontaktbeschränkungen, Home-Office, ständige Angst vor Krankheit und Tod. Viele Menschen verloren das Gefühl von Kontrolle über ihr Leben. Und teilweise war es ja tatsächlich so - wir wurden für Wochen praktisch entmündigt. (Ob das gerechtfertigt und rechtens war, mag ich hier nicht kommentieren.) In solchen Krisenzeiten suchen wir nach Wegen, mit dem Stress umzugehen. Genau hier war das Wesen von Kinks - von BDSM - hilfreich.

Wenn du im Alltag den nahezu kompletten Verlust der Kontrolle über dein Leben erfährst, besser - erleidest, kann dir im Privaten plötzlich die konsensuelle Aushandlung eines Rollenspiels oder einer Session paradoxerweise ein Gefühl von Autonomie und Sicherheit zurückgeben. Denn DU legst ja jetzt die Regeln fest. DU weißt, was passiert – im Gegensatz zur für dich völlig unüberschaubaren Welt da draußen. Das Spiel mit dem Flogger, mit Oben und Unten, dient dann besonders der Suche nach emotionaler Tiefe und Intensität in einer besonderen Zeit und - der lustvollen (Selbst-)Kontrolle.
Kink kann also ein gesunder Mechanismus sein, um Angst zu begegnen. Die Psychologie schreibt hier dem geilen Treiben die Kraft einer Bewältigungsstrategie zu ("Coping-Effect"). Offenbar hat das viele Menschen während der Pandemie neugierig und lustvoll experimentieren lassen. Langeweile mag zudem eine Rolle gespielt haben, wenn man Netflix durch hatte, und die Dynamiken eines Lagerkollers sowieso, klar. Psychologischer Umkehrschub, aus Leid mach Lust!

Macht der Ästhetik - vom Code zum Pop zur Chance
Historisch gesehen hat der LLL-Lock (Latex, Leder, Lack) seine Wurzeln in subversiven Subkulturen. Bereits in den 1970er Jahren kombinierten Designer*innen wie Vivienne Westwood Fetisch-Klamotten aus der Sadomaso-Szene mit Punk-Style, um ein bewusst rebellisches Image zu schaffen. Die Kleidung sollte als verstörender Protest wirken, um sich radikal von der "normalen Welt" abzuheben.
Jean Paul Gaultier kolportierte 1990 mit Madonnas spitzem Kegel-BH, dass kinky Sexualität und Kunst und Pop zusammengehören. Ab 2011 machte Fifty Shades of Grey BDSM zum globalen Tagesgespräch. Was früher provozierte, wurde entschärft, domestiziert, romantisiert. "I'd never beat you black and blue. I aim for pink.", sagt Christian Grey ("Ich würde dich nie grün und blau schlagen. Ich bevorzuge Pink.") Die allgemeine Gesellschaft akzeptiert "sowas", solange es hübsch verpackt ist.

Wenn H&M Lederharnesse verkauft und Adidas zusammen mit Beyoncé ein Latexkleid auf den Markt bringt, verliert der Code erstmal seine Verheißung. Die Modeindustrie kommerzialisiert die Ästhetik und macht sie massentauglich. Du kannst den Style tragen, die Grenzüberschreitung signalisieren und dich der Community zugehörig fühlen, ohne eine tiefere Auseinandersetzung mit den komplexen ethischen und psychologischen Grundlagen realer Praktiken führen, oder gar durchleben zu müssen. Aber: Für viele junge Menschen bietet das eine breite Rampe für Ihre Identitätsfindung. Sie nutzen sie zum Einstieg ("Gateway-Strategie"), um Zugehörigkeit zu signalisieren, ohne sofort die gesamte Lebensphilosophie übernehmen zu müssen. Das ist eigentlich ein sehr guter Nebeneffekt, finde ich.
Vielleicht sind wir tatsächlich lockerer geworden
Die Gesellschaft spricht heute offener über nicht-normative Sexualität, was an sich schon ein enormer Schritt hin zu mehr sexueller Freiheit ist, bzw. sein könnte. Wir als KinkShirt.com wollen diesen gesellschaftlichen Dialog über unsere Designs fördern. Wir als offene, tolerante Menschen müssen allerdings lernen, zwischen der tiefen, gelebten Befreiung und der oberflächlichen, modischen Maskerade zu unterscheiden – und zu akzeptieren, dass beides nebeneinander existiert, dass beides vollkommen in Ordnung ist.

Kein Diktat - "Anything goes, anything is right"
Wir leben in einer Kultur der Performance. Alles wird gezeigt, geteilt, bewertet – vor allem die Sexualität. Der Kink-Look ist cool, wirkt souverän und wer nicht mitmacht, wirkt in seinen Kreisen vielleicht schnell langweilig. So entsteht ein subtiler Druck, nämlich der Zwang, sexy, offen und souverän sein zu müssen. Intimität perdu! Philosoph Michel Foucault hätte dazu nur trocken gesagt: „Die Gesellschaft kontrolliert sich durch die Pflicht zur Offenheit selbst.“
Kink - BDSM - verliert für mich an Tiefe, wenn er zur Uniform wird. Echte Befreiung ist für mich kein Lifestyle, sie ist ein Prozess. Kink ist kein Ja oder Nein, sondern ein Kontinuum zwischen Hingabe und Selbstbestimmung, zwischen Spiel und Sinn. Für manche ist es Lust, für andere Therapie. Für wieder andere einfach ein ästhetisches Statement. Leben und leben lassen - alles davon ist richtig. Doch sollte jeder für sich definieren, was davon es individuell ist, das erleichtert nämlich die Kommunikation.
KinkShirt.com ist genau in der Mitte. Wir verlängern das heiße Wochenende in den Alltag, wenn Du so willst, aber verschlüsselt. Unsere Klamotten sind dabei äußerst kommunikativ. Um einen Dialog führen zu können, sollte man etwas Relevantes zu sagen haben. Deshalb gibt es hier den Blog, der dich auf vielfältige Weise mit relevanten Gedanken füttern wird. Verstehe ihn als Empowerment!
Kinky Grüße!
Thymos Emm
