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Was ist eigentlich sooo witzig an Sex?

Das Titelbild markiert eine der zugegeben(!) lustigsten Szenen aus Monty Pythons Kinoklassiker Life of Brian. Sexuelle Anzüglichkeiten funktionieren immer! Wir alle kennen die Szenen aus dem realen Leben: Im Job,...

Das Titelbild markiert eine der zugegeben(!) lustigsten Szenen aus Monty Pythons Kinoklassiker Life of Brian. Sexuelle Anzüglichkeiten funktionieren immer! Wir alle kennen die Szenen aus dem realen Leben: Im Job, beim Weggehen oder in der Chatgruppe fällt ein anzügliches Wort. Plötzlich bricht die Erwachsenenwelt schier zusammen. Händeringen, Gekicher, der Versuch, die Röte hinter vorgehaltener Hand zu verbergen – "Hi hi hi, ha ha ha!"

Obwohl wir in fast allen Lebensbereichen hochkomplexe Themen erwachsen diskutieren können, mutiert das Gespräch über Sexualität regelmäßig zum kindischen Pausenhof-Geplänkel. Warum ist das denn so, warum können wir dieses Thema im sozialen Talk so selten reif behandeln?

Die Antwort ist vielschichtig. Das scheinbar harmlose Kichern ist gar kein Zeichen von Unreife, sondern ein hochfunktionaler psychologischer Schutzmechanismus. Denn wenn über Sexualität gesprochen wird, treffen zwei der mächtigsten Kräfte aufeinander: das soziale Tabu und die Lust an der Entspannung. Und die drückt sich tausendfach in unseren Städten z.B. auch so aus... 

Psychisches Notventil: Freud und die "gesparte Energie"

Der vielleicht eleganteste Erklärungsansatz stammt schon von Sigmund Freud. Er sah den Witz generell als eine Art „sozialste aller auf Lustgewinn zielenden seelischen Leistungen“. Freud ging davon aus, dass wir viel psychische Energie aufwenden müssen, um unsere sexuellen Triebe, Hemmungen und die dazugehörigen gesellschaftlichen Normen im Zaum zu halten.

Ein mehr oder weniger gelungener Witz über Sex bietet uns einen kurzen, entspannenden Kick. Er umgeht die Schranken des Über-Ichs (Freud), löst das Tabu für einen Augenblick auf und entlädt schlagartig die aufgestaute Spannung, die wir normalerweise zur Unterdrückung aufwenden müssten. Wow! Und diese freigesetzte, "gesparte Energie" äußert sich in albernem Gelächter.

Das nervöse Kichern ist also oft nichts anderes als die hörbare Manifestation einer psychischen Entlastung, der Moment, in dem der Druck aus dem Kessel entweicht. Wir lachen nicht nur, weil der Witz lustig ist, sondern weil er uns erlaubt, für einen winzigen Moment ungezügelt zu sein, um das Unsagbare gesellschaftskonform nach außen hin zu ertragen. Es ist ein tragikomisches Schauspiel. Genau genommen. Comedians wie Markus Krebs zum Beispiel sind Psycho-Hygieniker mit ihrem zotigen Humor, weil sie uns die innerliche Beichte abnehmen... 

Schutzschild gegen Scham und Angst

Neben dem Tabu spielt ein weiteres, existentielles Gefühl die Hauptrolle: Scham ist die Wächterin der sozialen Norm. Sie setzt immer den Blick eines anderen voraus und signalisiert die Angst vor Bloßstellung oder Verurteilung oder beides. Da Sexualität in unserer Gesellschaft immer noch stark normiert und oft sanktioniert ist (Religion), ist Scham hier besonders wirksam.

Ein reifes Gespräch über Sex würde erfordern, dass wir unsere eigenen Unsicherheiten, vielleicht den eigenen Mangel an Persönlichkeit, oder die Angst vor Peinlichkeiten zulassen und aushalten. Das Gelache ist der einfachste Weg, genau das zu vermeiden. Wenn wir plumpe, schnelle Witze reißen, infantilisieren wir das Thema. Wir erklären es sofort für nicht ernst und reduzieren damit das Risiko, uns durch eine offene oder tiefgründige Äußerung selbst verletzlich zu machen. Lachen ist in diesem Moment eine strategische Regression ("Heranwachsenden-Ebene"), ein Schutzmechanismus, der die eigene Verlegenheit kaschiert, bevor sie am Ende doch noch jemand bemerkt.

Wer ist in und wer ist out?

Die Sache wird komplizierter, wenn Witze auf Kosten Dritter gehen – etwa von Minderheiten, Menschen mit speziellen Neigungen, geschlechtlichen oder nicht-geschlechtlichen Identitäten. Hier wechselt der Humor von der Entlastung zur vermeintlichen Überlegenheit. Lachen in der Gruppe dient hier dazu, Hierarchien zu festigen. Indem man eine Fremdgruppe ("Out-Group") durch einen Witz lächerlich macht, stärkt die Gruppe der Lachenden ("In-Group") ihr eigenes Gefühl der - ihrer -  "Normalität".

Das gemeinsame Lachen wird zur Verbindung, die zusammenhält, für die, die mitlachen (können), und zur Barrikade für alle außerhalb. Seien wir ehrlich - jeder macht mal mit! Der Kinkster reißt Witze über die Vanillas, die wiederum über die Perversen. Das Launige, Kindische ist dabei immer das tückische Vehikel: Es ermöglicht, Aggression oder Vorurteile unter dem Deckmantel des Spaßes zu äußern. Niemand kann dann ernsthaft kritisieren, denn es war ja "nur ein Witz" – was die ethische Verantwortung des Sprechers aktiv aushebelt und Vorurteile salonfähig macht.

An dem Punkt kann sich jeder mal selbst überprüfen. Ja, auch ich bin immer wieder mit dem "ist ja nur Satire"-Ticket gefahren. Ziemlich bescheuert, sitzen wir eigentlich doch alle zusammen im gleichen Glashaus. Der Schlüssel zur Reflexion liegt in der Unterscheidung zwischen Humor, der verbindet, und Humor, der trennt. Und manchmal ist auch gut gemeint unfreiwillig komisch, verletzend, diskriminierend... 

Der Unterschied zwischen Witz und Waffe

Unreifer Humor ist oft plump, reaktiv und also hauptsächlich auf die eigene Entlastung oder die Herabwürdigung anderer ausgerichtet. Reifer Humor hingegen ist subtil, geistreich und zeugt von Empathie und Selbstironie. Er lacht mit der Unzulänglichkeit der Situation oder der eigenen Person, niemals aber über die Verwundbarkeit oder die Identität anderer. 

Letztlich ist die unreife Reaktion auf Sexualität in der Öffentlichkeit ein Spiegel dafür, wie viel Druck, Angst und soziale Normen auf diesem Thema lasten. Wir kichern kindisch, weil es uns momentan schlicht erspart, uns wie Erwachsene mit der tiefen Unsicherheit, Scham und den Tabus auseinanderzusetzen, die uns alle - oder sagen wir mal die meisten - in diesem zutiefst menschlichen Bereich begleiten.

Lasst uns das zugeben - zumindest vor uns selbst!

Gerade weil Sex so zentral für unser Leben ist, bleibt jenseits von Gegacker herzhafter Humor BEIM Sex so wichtig, weil er locker macht und von echtem Spaß zeugen kann! Wie heißt es doch so schön - „Wenn du beim Sex nicht mindestens einmal lachst, hast du Sex mit der falschen Person.“

Kinky Grüße!

Thymos Emm

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